Friedrich Smetanas Ruhm auf nationaler und internationaler Ebene gründet sich auf seine Opern "Die verkaufte Braut", "Dalibor" und Libuše sowie sinfonischen Dichtungen. Durch die Auseinandersetzung mit Franz Liszt und der Neoromantik gewann er seine eigene instrumentale Tonsprache.

Mit dem Zyklus von sechs symphonischen Dichtungen "Má Vlast" ("Mein Vaterland") schuf er ein musikalisches Epos. Smetana, der erst im Erwachsenenalter Schrifttschechisch erlernte und benutzte, wurde zum Rhapsoden seines Volkes. In rund achtzig Minuten wird ein Land mit seiner Natur, seinem Charakter, seiner Geschichte und seinen Erinnerungen porträtiert.

Mit Jakub Hrůa hatten die Wiener Philharmoniker für diese Musik den idealen Partner eingeladen. Der aus Brünn stammende und in Prag unter anderem von Jiří Belohlávek ausgebildete Hrůa ist seit 2016 Chefdirigent bei den Bamberger Symphonikern. Sein philharmonisches Debüt hatte er im Dezember 2019 gegeben.

Eine Nation
wird zu Klang

Für "Má Vlast" benötigt Hrůa keine Partitur. Er leitet das Orchester souverän, mit hoher Spannkraft, klarer Zeichengebung und energetisierendem Impetus. Von der eleganten Einladung an die Harfe zu Beginn des Zyklus bei "Vyehrad" bis zu den noch oben offenen, ausgestreckten Armen am Ende bei "Blaník". Die Wiener Philharmoniker realisierten mit Freude, Präzision und Klangschönheit die Bildhaftigkeit des Tongemäldes. Idyllisch, dramatisch, elegisch, feierlich, heroisch, volkstümlich. Die erhebende Wirkung der Komposition strömte am Samstag durch den Großen Musikvereinssaal beim Abonnementkonzert und erntete lang anhaltenden, begeisterten Applaus.