Bereits zum zweiten Mal fand das weltweit in mehr als 80 Länder ausgestrahlte Sommernachtskonzert der Wiener Philharmoniker pandemiebedingt vor einer reduzierten Gästeschar statt. Aber immerhin - im Vergleich zum Vorjahr - wieder mit Publikum. Ein Teil der zugelassenen 3000 Sitzplätze ging an "Heldinnen und Helden" der Corona-Krise.
Der Abend, lau wie im Sommernachtsbilderbuch, stand unter dem Motto "Fernweh" und begann mit Giuseppe Verdis Ouvertüre zu "I Vespri Siciliani", in der sich die Streicherinnigkeit des Orchesters auffallend schön vernehmen ließ. Danach zeigte Igor Levit seine außergewöhnlichen Qualitäten anhand Sergej Rachmaninows "Rhapsodie über ein Thema von Paganini", op. 43: ein dichter Spannungsbogen, punktgenaue Landungen und butterweiche Übergänge, die der Pianist charmant ins Orchester weiterreichte.

Genau wie der Solist Levit war auch Dirigent Daniel Harding ein "Sommernachtskonzert-Debütant". Der Vorteil des Zuhause-Erlebens (neben der gut zu überblickenden farbenfrohen Beleuchtung der Gartenanlage von Schloss Schönbrunn) ist die Möglichkeit, den Musizierenden ins Gesicht zu schauen. Bei Leonard Bernsteins "Symphonischen Tänzen" aus der "Westside Story" war das ein besonderes Vergnügen. Präzise und leidenschaftlich zugleich animierte der Brite Harding das Orchester. Duftiger Elgar, atmosphärischer Debussy, markanter Holst und schließlich vertrauter Johann Strauß. Das attraktive Programm war klug zusammengestellt, auch in der Hinsicht, dass einzelne Orchestermitglieder gut hervortreten konnten: Oboe, Flöte, Klarinette, Violine. Das diesjährige Sommernachtskonzert der Wiener Philharmoniker zeigte ganz deutlich seine Intention auf: in wunderschönem Ambiente Musikgenuss auf höchstem Niveau für alle erlebbar machen, um sich einfach des Lebens zu freuen. Ganz besonders in Zeiten wie diesen.