Viel Schmerz und Leidenschaft, fast die gesamte emotionale Palette eines Menschenlebens trägt Gustav Mahlers "Lied von der Erde" in sich. Die Wirkung der Kammermusikfassung von Reinbert de Leeuw steht dem Original (1907) in nichts nach, vielmehr lässt sie die großartigen Mitglieder des Klangforum Wien solistisch hervortreten.

Emilio Pomàrico leitet das vor der Bühne sitzende Ensemble, die Musik entfaltet sich dadurch unmittelbar. Regisseur Philippe Quesne verlässt sich bei diesem Festwochen-Gastspiel im Volkstheater mit seiner reduzierten Inszenierung auf die starke Bildgewalt der Bühne mit Nebel, Lichtstimmungen und zwei sachte animierten großformatigen Landschaftsbilder. Und er liegt richtig, denn die beiden Sänger, Tenor Michael Pflumm und Altistin Christina Daletska, agieren in schlichten Kostümen mit beeindruckender Präsenz und stimmlich überzeugend.

Erde ist als Materie auf der minimalistischen Bühne präsent: als Hügel, der sich unmerklich hebt und senkt. Erde klebt an den nassen Füßen. Dieser Abgesang auf die Welt verspricht in Quesnes dystopischer Deutung wenig Hoffnung auf eine vielversprechende Zukunft des Planeten. Wobei die Szene mit herabfallendem Nebel, Schneegestöber oder (wenn es um Liebe geht) einem romantischen Feuerwerk in der Landschaftsmalerei Poesie entfaltet. Die Musik steht im Zentrum, die Inszenierung unterstützt das konzentrierte Hören und eröffnet Assoziationsräume. Erstaunlich, welch Bedeutung eine kleine Geste bekommt, etwa wenn Christina Daletska ihr hüftlanges Haar im sechsten Lied "Der Abschied" öffnet.