Hängender Kopf, hängende Schultern, hängende Arme: Wenn ein Tennisspieler so über den Platz schlurft, attestieren ihm Sportreporter eine "negative Körpersprache". Da ist wohl jemandem das Selbstvertrauen in den Keller gerutscht: Sieg ausgeschlossen.

Daniil Trifonov schleicht immer in dieser Haltung auf die Bühne - und ist doch stets ein Garant körperlicher Höchstleistungen. Der introvertierte Russe gilt vielen als der beste Pianist der U-40-Generation, und er bekräftigte diese Vermutung am Donnerstag im Konzerthaus mit einem Abend moderner Stoßrichtung. Karol Szymanowskis Dritte Klaviersonate (1917) zu Beginn: schwerste Kost für Ohren und Pianistenfinger. Da türmen sich Notenberge, entladen sich Dissonanzgewitter, blitzen Rätselmelodien aus unübersichtlichen Rhythmen. Doch Trifonovs Zugriff verschafft dem Wuchtwerk Reiz: Muskulös und doch feinst skaliert, bringt sein Spiel einen orgiastischen Farbenrausch zum Schillern.

Wunderklänge

Das gilt auch für Sergei Prokofjews "Sarkasmen" (1914), deren Presslufthammer-Getöse durchaus zu nerven vermag. Doch was für feine Pointen lassen sich da auch aus der Tastatur kitzeln, was für Wunderklänge luchst Trifonov überhaupt dem Bösendorfer ab. Die ölschwarze Basslinie am Ende, dazu das Sandpapier-Staccato von der rechten Hand: unerhört auf einem Klavier. Fast selbstverständlich, dass Debussys Suite "Pour le piano" hier funkelt wie ein Kristallpalast. Gegen Ende Brahms’ f-Moll-Sonate und Barockzugaben von filigranem Schliff: Jubel. Es wäre nicht verwunderlich, könnte Daniil Trifonov auch noch fliegen.