Wer in der Titelrolle von Alban Bergs "Lulu" tief in die Seele blicken ließ, macht auch bei einem Liederabend vor dem oftmals Verborgenen keinen Halt. Ein Abend voller stimmlicher Kraft, tiefen Emotionen und schauspielerischer Überzeugung. Die Koloratursopranistin Marlis Petersen und ihr Klavierpartner Stephan Matthias Lademann nahmen am Sonntag das Publikum des Wiener Konzerthauses auf eine Reise in die Tiefen der "Innenwelt" und von dort zu verborgenen Träumen mit. Dafür besonders geeignet die österreichischen Komponisten der Jahrhundertwende und große Romantiker wie Gabriel Fauré, Henri Duparc sowie Gustav Mahler.

Noch bevor es das Publikum mit Max Regers "Schmied Schmerz" nach einem träumerischen Einstieg in die Nacht (Weigl, Strauss, Brahms, Wolf, Sommer) vor Triebkraft zerreißt, ernten die Künstler bereits Bravo-Rufe. Petersen spricht Gefühle wie Hass, Neid und Wut an, die oftmals im Inneren ein Schattendasein fristen aus Angst vor ihrer Kraft. Die gewaltige Stimmpalette von Petersen setzt dem ein Ende und besänftigt gleichermaßen das Herzeleid mit Richard Strauss’ "Ruhe, meine Seele". Auch die Verbundenheit von Petersen und Lademann ist spürbar, der die Symbiose von Innen und Außen mit seiner Begleitung vervollständigt. Der Mozartsaal ist zu Corona-Zeiten erfreulich besetzt, und das Publikum tobt am Ende mit Rufen, Händen und Füßen. Aus dem Land der Träume werden die Zuhörer von der Opern- und vermehrt Liedsängerin mit einer Zugabe Richard Wagners "Träume" entlassen.