Da die aktuellen Einreisevorschriften aus Russland einen Auftritt Valery Gergievs im Wiener Musikverein verunmöglichten, stand am Samstag Lorenzo Viotti am Pult der Münchner Philharmoniker. Der aus Lausanne stammende Dirigent Jahrgang 1990 eroberte die Herzen des Publikums im Goldenen Saal im Sturm.

Karrieren, die durchs Einspringen erheblich Fahrt aufnehmen, sind keine Seltenheit. Lorenzo Viotti erklimmt allerdings bereits seit einiger Zeit eine Stufe nach der anderen, auf dem Konzert- sowie Opernsektor. Er ist Chefdirigent des Gulbenkian-Orchesters Lissabon und wird ab Herbst diese Funktion auch in Amsterdam beim Netherlands Philharmonic Orchestra übernehmen.

Yuja Wang brillierte im Zweiten Klavierkonzert Rachmaninows. - © Kirk Edwards
Yuja Wang brillierte im Zweiten Klavierkonzert Rachmaninows. - © Kirk Edwards

Mit präzisem Handwerk und herrlich anzusehenden Bewegungen führte er durch die einzelnen Werke. Exakte Einsätze, einladende Gesten, Hüftschwung und ansteckender Elan animierten die Münchner Philharmoniker zu einem fantastischen Klangergebnis. Der Orchesterpart in Sergei Rachmaninows Zweitem Klavierkonzert kam derart berauschend über die Rampe, dass die technisch brillante Pianistin Yuja Wang sogar noch überflügelt wurde. Die nachfolgenden Kompositionen von Rimski-Korsakow, Chabrier und Ravel - allesamt spanisch koloriert - boten den Orchestermitgliedern viel Raum zur individuellen Gestaltung und wurden zu einem leidenschaftlichen Schaulaufen der einzelnen Instrumentalsolisten. Nach dem "Boléro" als Zugabe die Polka "Ohne Sorgen" von Josef Strauß. Ein Konzertabend, der die Opulenz und Ausgelassenheit des Lebens feierte.