Es heißt ja so schön, dass der Weg in die Hölle mit guten Vorsätzen gepflastert sei. Aber wie sieht der Bodenbelag der Strecke in Gegenrichtung aus? Unter dem Motto "Officium defunctorum" hielt die Ouverture spirituelle bei den Salzburger Festspielen am Dienstag zwei Vorahnungen in Sachen Strada del cielo bereit.

Halten wir uns an Olivier Messiaen, speziell an sein 1965 entstandenes Werk "Et exspecto resurrectionem mortuorum", dann könnte man leicht zum Schluss kommen: Es wird eng auf dem Pfad ins himmlische Jenseits, denn da steht unglaublich viel Metallgerümpel herum. Manches aus edlerem Material (Röhrenglocken), die ausgiebig bimmeln. Aber noch viel mehr Blech in Form einer Tamtam-Zusammenrottung sondergleichen. Das knirscht ganz gewaltig.

Dieses Holzschnitt-Musiktableau also hat das Klangforum Wien unter Pablo Heras-Casado ausgebreitet. Es war gerade nicht zu groß für die Kollegienkirche, und das will was heißen. Die riesige Blasmusikbesetzung und das Arsenal an metallenem Schlagzeug tun ihre Wirkung. Doch das "Officium defunctorum" des spanischen Renaissancemeisters Cristobál de Morales aus dem frühen 16. Jahrhundert füllte zuvor den Riesenraum mindestens genau so gut. Dafür holte man Jordi Savall, elf Männer seiner Capella Reial de Catalunya und ein kleines Bläser- und Continuogrüppchen von Hesperion XXI. - "Circumdederunt me gemitus mortis", es umgeben mich Wehklagen der Toten: Das Totenoffizium offeriert nicht nur einprägsame Musik, sondern auch nachdrücklich-poetische Sprachbilder. Die vorkonziliare Liturgie hatte schon auch was für sich . . .