Zu beneiden war am Mittwoch in der Kollegienkirche der Fotograf der Salzburger Festspiele. Von unterschiedlichen Balkonen aus konnte er die gut eindreiviertelstündige Kerzen-Prozession der musicAeterna-Ensembles noch besser beobachten als die Besucher: Lux aeterna, sehr sinnfällig.

Teodor Currentzis und sein dirigierender Mitstreiter Antonios Koutrouois, ein ausgewiesener Fachmann für ostkirchliche Musik, haben für diesen nächtlichen spirituellen Event einen sehr gediegenen multikulturellen Bogen gespannt. "Lux Aeterna", Titel des bekannten sechzehnstimmigen Chorstücks von György Ligeti, gab das Motto vor. Auch der eröffnende Gesang der Hildegard von Bingen aus dem 12. Jahrhundert stand fürs Katholische und auch die achtstimmige Motette "Crucifixus etiam pro nobis" des Antonio Lotti - ein kontrapunktisch besonders gefinkeltes, wirkkräftiges Stück.

Ein Teil des Chores heißt mu-
sicAeterna bycantina, das ist die auf diesen Stilbereich eingeschworene Truppe. Es ist einstimmige Musik, in die - ein nahöstlicher Einfluss ist naheliegend - manch feinstufige Melodik abseits unserer Ganz- und Halbtonschritte eingeflossen ist. Die Männergruppe liefert dazu Bordun-Bässe in verschiedenen Varianten. Das lässt sich aus innerer Logik heraus mit Zeitgenössischem kombinieren.

All das hat zu Ruhe und Kontemplation geführt - trotz sehr später Stunde nicht einschläfernd, eher die Konzentration steigernd. 00.21 Uhr war’s, als die Ensembles auszogen aus der Kirche und draußen am Universitätsplatz die letzten Töne verhauchten.