Die Sogwirkung setzte bereits beim ersten Lied "Resignation" ein. Mit den Worten "Lisch aus, mein Licht" begann Matthias Goerne seinen Abend im Wiener Konzerthaus, und sofort hatten die unverwechselbare Sanftheit und milde Wärme seines Baritons das Publikum in den Bann gezogen. Eine Stimme wie ein Instrument, der Körper ein Resonanzraum. Nach gezählten drei Terminänderungen konnte das ausschließlich Beethoven gewidmete Programm endlich über die Bühne gehen. Auf CD hat sich Goerne diesem Repertoire gemeinsam mit Jan Lisiecki gewidmet, in Wien wurde er nun von Alexander Schmalcz begleitet. Der in Dresden, Utrecht und London ausgebildete Musiker ist ein ausgewiesener Liedpianist.

Anhaltende Spannung

Nebst dem erfüllenden Stimmgenuss bleibt vor allem die immense Spannung in Erinnerung, mit der Goerne und Schmalcz Beethovens Liedgut den ganzen Abend hindurch bedachten. In Anbetracht der vorherrschenden schwülen Hitze in der Stadt eine doppelt starke Leistung. Beethovens Lieder sind weder einfach zu singen noch zu spielen und zu hören. Matthias Goerne versteht sich auf klare Signale. Wenn der Applaus zu früh kommt, stoppt er die Begeisterung mit einer eindeutigen Geste. Will er, dass sein Pianist schneller vorwärtsgeht, zeigt er dies deutlich. Mit inniger Andacht erfüllte er die Sechs Lieder op. 48 nach Gedichten von Christian Fürchtegott Gellert. Mit Empfindung und Leidenschaft gestaltete er den Zyklus "An die ferne Geliebte" op. 98 auf Texte von Alois Jeitteles. Nimm sie hin denn, diese Lieder.