Es lebe der Generalbass! Wenn er in einem Konzert des Klangforum Wien auflebt, mischen sich freilich zeitgenössische Noten dazu. Komponist Klaus Lang beginnt den Abend im Großen Konzerthaus-Saal an der Riegerorgel: Ein tiefes, lautes, minutenlanges Grummeln versetzt den Raum in Schwingung - dann verbinden sich Stimmen zu fortschreitenden Harmonien, das Ensemble tritt hinzu. Nach dem ersten Wachrütteln beginnen erlösende Obertöne zu schillern. Wie beseelt wandern die Ohren durch fremde Galaxien und tropische Wälder, in denen man Flügel der Kolibris schlagen und das Wasser plätschern hört. Dass Langs Stück "der pythagoräische fächer." heißt, könnte am physikalischen Prinzip des Monochords liegen: Pythagoras hatte nicht nur die Teilungsverhältnisse von Dreiecken, sondern auch Saiten erforscht.

Das zweigeteilte Konzert des Klangforums Wien setzte nach der Pause mit einer Uraufführung ganz ähnlicher Art fort - nämlich mit der heimischen Band 5K HD im Zentrum. Auch hier sphärische Klänge: Das Futuristische wird ohne Hilfe von Computern erzeugt und klingt so grenzüberschreitend wie die Komposition von Klaus Lang. Elegant steigen die Bläserstimmen in das Geschehen ein, die Streicher faszinieren mit einem Sound, der an vorbeirauschende Autos erinnert. Die Stimme der Jazztrompete verleiht der fragilen Kunst einen nachdrücklichen Zauber. Christoph Cech dirigiert, Markus Wallner als Live-Techniker übernimmt die Klangregie. So kompakt durchkomponiert die beiden Teile auch wirken, so sehr lösen sich dabei Instrumente aus dem Gesamtgeschehen.