Eine Beethoven-Symphonie, die Siebente, ist durch Liszt (und Wagner) sogar zu ihrem Beinamen gekommen: "Apotheose des Tanzes". Der eine entfesselte symphonische Sogkraft an den Tasten, der andere setzte diese in Bewegung um. Die Szenerie im Palazzo Vendramin in Venedig muss man sich ausmalen...

Liszt hat vieles bearbeitet und paraphrasiert, von Schubert-Liedern bis zu Giuseppe Verdis "Rigoletto". Mit Ludwig van Beethoven aber ist Liszt respektvoll umgegangen. Vielleicht sind diese Klavier-Übertragungen deshalb nicht gerade Liebkinder auf den Konzertpodien. Igor Levit am Samstag im Salzburger Großen Festspielhaus: Mit der auf Tasten reduzierten "Eroica" hat er eine Programmfolge eingeleitet, die didaktisch in eine ganz andere Richtung wies als in jene, auf dem Klavier Orchester-Effekte zu erzielen. Ja, schon auch viel Power, aber die sieben markanten Akkordschläge im Eröffnungssatz haut Levit fast lieblos hin, weil ihn ganz andere Dinge interessieren: das Zurücknehmen, das neugierige Hinein-Horchen in die melodischen Kernstrukturen. Da wurde greifbar, wie nahe Beethoven auch Schubert war, selbst dessen ein Vierteljahrhundert nach der "Eroica" entstandenen Drei Klavierstücken D 946.

Von denen war’s sogar zu Sergej Prokofjews Sonate Nr. 7 nicht gar so weit. Ein Stück aus den Kriegsjahren, eine trotzige neoklassizistische Durchhalte-Anweisung? So mögen’s die Zeitgenossen damals aufgefasst haben. Igor Levit, der Eigen-Sinnige, lenkte wiederum in andere Richtung. Auch da das feine Innenfutter vom üppigen "symphonischen" Mantel.