"Bienen, wenn sie Zellen bauen / lassen auch nicht zu sich schauen" heißt es im vierten der "Fünf Lieder nach Gedichten von Friedrich Rückert". Aber ein wenig lauschen darf man dem symphonischen Bienenfleiß des Gustav Mahler. Und Bruckner war, so monumental seine Symphonien daherkommen mögen, auch nicht gerade faul, was Wabenstrukturen anlangt . . .

Christian Thielemann im Großen Festspielhaus am Pult der Wiener Philharmoniker: Da war man quasi mittendrin im Mahler’schen Bienenstock. Die Rückert-Lieder sind gleich weit weg vom Plakativen der "Wunderhorn"-Lyrik wie vom Décadence-Schwulst des "Lieds von der Erde". Thielemann tat das Seine zur Leichtigkeit.

Elina Garanča muss man gewiss nicht erst erklären, dass in dieser feinen Lyrik jedes Zuviel zu vermeiden ist. Die Mezzosopranistin hat für dieses Repertoire das rechte samtene Mezzoforte drauf, ein ruhiges Fließen ohne jedes Forcieren, dabei vorbildhaft textdeutlich. Kann man mehr wollen? Oh ja. Der Grat vom noblen Sich-zurück-Nehmen zum gestalterisch Unterbelichteten ist nur ein schmaler. "Blicke mir nicht in die Lieder" - vielleicht gar zu wörtlich genommen.

Bruckners "Siebente" dann: Ressourcenschonung und Nachhaltigkeit sind nicht nur im Naturschutz geflügelte Worte. Auch Bruckners symphonische Biotope profitieren ungemein, wenn man überlegt haushält. Wie oft hat Thielemann mit beschwörenden Gesten die Lautstärke gedrosselt, die Streicher auf Zurückhaltung eingeschworen, auf dass die Holzbläser-Themen umso sanfter wachsen konnten. Ob sich derzeit ein anderer Dirigent (und ein anderes Orchester) so gediegen drauf versteht, den Klang der Wagner-Tuben jenem der Holzbläser so vollendet bei- und unterzumengen?