Bei der heurigen Sommerausgabe des Lucerne Festival stehen von 10. August bis 12. September abermals große Symphoniekonzerte im Zentrum. Außerdem haben die Veranstalter die Coronapause genutzt, um die Veranstaltungsreihe aufzufrischen und die zeitgenössische Musik und die junge Generation stärker ins Scheinwerferlicht zu stellen. Nach der Kurzversion im Vorjahr werden in diesem Sommer mehr als 100 Konzerte mit internationaler Besetzung geboten.

"Verrückt" lautet das diesjährige Thema, das sich aber nicht auf die aktuelle Pandemiezeit beziehe. Das Heraustreten aus dem Normalzustand sei die Voraussetzung aller Kreativität, teilten die Organisatoren mit. Nicht ganz normal wird wegen Corona auch der Konzertbesuch sein. Es herrscht Maskenpflicht, Pausen gibt es keine. Damit es genügend Abstand gibt, gelangte nur rund die Hälfte der möglichen Sitzplätze in den Verkauf. Ein schmales Angebot, das gefragt ist. Es seien etwa 85 Prozent der Karten verkauft, teilte Lucerne Festival auf Anfrage der Nachrichtenagentur Keystone-SDA mit. Von einer Zurückhaltung wegen Corona sei nichts zu spüren.

Neue Kurzfestivals

Der Konzertreigen zeigt mit einem neuen Logo, dass er die Coronakrise genutzt hat, um sich zu verändern. Neben dem großen Festival im Sommer gibt es drei neue Kurzfestivals, die sich musikalisch klar voneinander unterscheiden. Ferner werden die Konzerte neu in den drei Sparten "Symphony", "Contemporary" und "Music for Future" präsentiert.

Rückgrat des Events bleiben die Symphoniekonzerte. Bei der Programmpräsentation sagte Intendant Michael Haefliger nicht ohne Stolz, es gebe weltweit kein anderes Festival, das in vier Wochen eine solche Fülle von Weltklasseorchestern anbieten könne. So reisen auch dieses Jahr bekannte Klangkörper aus Berlin, London, St. Petersburg, Amsterdam, Budapest oder Wien an. Das Festival rückt aber auch seine eigenen Orchester ins Zentrum: Das seit 2003 bestehende Lucerne Festival Orchestra und das neue Lucerne Festival Contemporary Orchestra. Beide spielen nicht nur im Sommer, sondern prägen auch je ein Kurzfestival (zur Osterzeit respektive im November).

Das von Riccardo Chailly geleitet Lucerne Festival Orchestra wird traditionsgemäß das Festival eröffnen, und zwar mit Werken von Mozart und Schubert. Es bestreitet insgesamt sechs Konzerte, je einmal wird es am Klavier von Igor Levit und Yuja Wang, der diesjährigen Artiste étoile, begleitet.

Grüne "Music for Future"

Im neuen Lucerne Festival Contemporary Orchestra versammeln sich aktuelle und ehemalige Studentinnen und Studenten der Lucerne Festival Academy, der eigenen Ausbildungsstätte für die Musik des 20. und 21. Jahrhunderts. Nicht im Gewohnten stecken bleiben, so lautet das Motto, etwa im inszenierten Konzert "Bye-Bye Beethoven" mit der Geigerin Patricia Kopatchinskaja. Spielen wird das Lucerne Festival Contemporary Orchestra zudem Musik von Rebecca Saunders, heuer Composer-in-residence. Ferner erhält mit "Music for Future" die Nachwuchsförderung ein eigenes Programmgefäß. Dazu gehören Auftritte von Jugendorchestern oder Debütkonzerte, aber auch Angebote für junge Zuhörerinnen und Zuhörer. Das Lucerne Festival will sich mit "Music for Future" zur Nachhaltigkeit bekennen, die über die künstlerische Förderung der jungen Generationen hinausgehen und auch Themen wie den Klimawandel umfassen soll. (apa)