Eine Art Geburtstagsfest für die 80-jährige Martha Argerich hätte es werden sollen. Sie im Duo mit dem damals 45-jährigen Geiger Renaud Capuçon, das war schon im Vorjahr eine spannende Generationen-Begegnung. Anstelle der Erkrankten saß nun im Haus für Mozart Igor Levit am Klavier. Statt Generationen-Dialog also eine andere Art Begegnung: Capuçon ist allgegenwärtig an Pulten internationaler Kammermusik-Gruppierungen der unterschiedlichsten Besetzungen, Levit im Allgemeinen als Bergsteiger allein an der dünnen pianistischen Höhenluft unterwegs.

Beide einen aber "joviale" Züge. Levit ist alleweil in der Lage und war auch an diesem Duo-Abend stets gewillt, sich als Solist in all seinen Eigenwilligkeiten (die seine Interpretationen eigentlich ausmachen) zurückzunehmen. Dann zieht er sich zurück in eine Art Blutgruppe-Null-Position und liefert seinen Part weniger spritzig als locker perlend ab. Glasklar singend mit meist nur angetipptem Pedal. Da brauchte sich der Geiger also nicht zu verleugnen. Capuçons Stärke ist der stabil-unbeirrbare, fast immer charmant-süßliche Geigenton in wirklich allen Lebens-, Tonhöhen- und Virtuosen-Lagen.

Ohne Reibungswärme

Was also Schuberts Sonate ("Duo") Nr. 4 D 574, die A-Dur-Sonate op. 100 von Brahms und Beethovens Kreutzersonate an diesem Abend einte, war ein Hang zum genussvoll konsumierbaren Glanz, zur Elegance. Das sicherte den beiden Musikern schließlich die (derzeit allabendlich obligaten) Standing Ovations, der Musik freilich nicht jene Reibungswärme, die man sich auch hätte wünschen mögen.