"Mahler rocks!", steht auf dem T-Shirt eines Festspielgastes, und man kann diesen Slogan durchaus nachvollziehen. Versteht man Rockmusik als etwas, das gern laut auf die Pauke haut und sich einen Dreck um die Vorlieben der älteren Generation schert, ist Gustav Mahler da durchaus dabei, gerade mit seiner Dritten Symphonie. Das Werk für rund 150 Musiker und Choristen hat mit einer klassischen Symphonie so viel zu tun wie ein Fisch mit einem Fahrrad, will auf einer Rekordlänge von fast zwei Stunden der gesamten Welt ein Musikporträt setzen, vom unbeseelten Gebirge bis zur menschlichen Liebe – und tut dies im Rahmen einer Assoziationsmusik zwischen Brucknerpathos, Marschparade, Gottesdienstchor und Mahlers ureigenster Domäne, einer trauerfröhlichen Melodik mit Hang zur abgründigen Wendung.

Die Wiener Philharmoniker haben diesen Koloss nun am Samstag mit Dirigent Andris Nelsons im Großen Festspielhaus gewuchtet, und kein Zweifel: An Geschmeidigkeit und Ausdauer fehlt es weder dem Orchester, den beteiligten Vokalensembles (BR-Chor, Salzburger Festspiele Kinderchor) noch den Solisten, von Oboist Martin Gabriel mit den abgründigen Glissandi bis zu Violeta Urmana als Alt-Sprachrohr von Nietzsches Mitternachtslied. Doch weil Nelsons das klangliche Radikal – grell oder innig – zugunsten eines routinierten Mittelwegs scheut, kommen Lieblingsstellen wie das Trompetensolo im dritten Satz um ihre charismatische Wirkung und schlittert die Symphonie gefühltermaßen über die Zwei-Stunden-Marke. Die Welt ist tief, heißt es bei Nietzsche; hier wirkte sie auch recht lang. Gleichwohl satter Applaus nach vollbrachter Tour de force.