Riccardo Muti wurde Ende Juli 80, seit 50 Jahren dirigiert er bei den Salzburger Festspielen. Stimmig, dass ihm am Sonntag nach dem zweiten von drei "Philharmonischen" mit Beethovens Missa solemnis im Großen Festspielhaus (auch live übertragen auf Ö1) das Große Goldene Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich verliehen wurde.

Ein Vormittag also, der für Größe, ja Übergröße stand. Ein halbes Jahrhundert, also die halbe Strecke des Bestehens der Festspiele, war Muti dabei und brachte es auf 270 Auftritte. Nur Herbert von Karajan bilanzierte besser.

Debüt mit eigenem Ansatz

Was soll man nun großmächtig sagen über die Missa solemnis, die Muti zu dem Anlass das erste Mal überhaupt dirigiert hat? Die Corona-Zeit machte ihm die Beschäftigung mit der Missa solemnis möglich, so Muti im Programmheft. Er hat, das muss man eingestehen, nichts abgekupfert, sondern seinen individuellen Weg gesucht. Den umschreibt man am besten mit "Beethoven goes Verdi". Will heißen: Wenn Pauken und Trompeten ins Agnus platzen und das "Dona nobis pacem" fast wegfegen, ist Muti ganz nah am selbst gesteckten Ziel. Wenn’s ganz lyrisch ist (Benedictus) klappt das philharmonische Laissez-faire allemal gut und Konzertmeister Rainer Honeck durfte sein Violin-Solo schmeichlerisch fließen lassen.

Hätte man ansonsten die leichten bis mittleren Wackler im Orchester mitgezählt: Die Strichliste käme an die eingangs erwähnten Jubel-Zahlen heran. Aber laut war’s und unüberbietbar festlich und darob waren die Ovations "standing". Wie sonst?