Vor dem Programmheft-Biografienschreiber muss man Maurizio Pollini in Schutz nehmen. Sein Name stehe "für die Geschichte eines Menschen und Künstlers, der schon seit mehreren Generationen von Kritik und Publikum auf der ganzen Welt bewundert" werde. So arg ist’s nicht, aber zwei Generationen bewundern ja doch schon. Pollini wird nächsten Jänner 80.

Zwei Monate nach seinem Jubiläums-Auftritt im Wiener Musikverein (vor 60 Jahren saß er dort das erste Mal auf dem Klavierhocker!) spielte er nun dasselbe Programm in Salzburg, wo er 1973 debütierte. Ein Pollini-Festspielabend gehört einfach dazu, so wie die Standing Ovations, mit denen der Altmeister danach gefeiert wird.

Feine Chopin-Nuancen

Schumann und Chopin, eine konzentrierte Folge von Stücken, die um 1840 innerhalb von sechs Jahren entstanden sind. Pollini hat zu dieser Musik immer noch viel zu sagen. Zum Mittelteil des Trauermarschs in Chopins b-Moll-Sonate etwa, wo er die immer gleiche Melodie subtil unterschiedlich ausleuchtet. Oder zu den Variationen in der Berceuse op. 57, die er duftig phrasiert. Schumann gleichzeitig zu entschlacken und doch nicht des Poetischen verlustig zu gehen - auch das bleibt für ihn selbstverständlich. Und weil er selbst das am allerbesten weiß, nimmt er den Tort auf sich, im Bewusstsein, dass die Finger oft weniger dem Notentext als dem Alter gehorchen. Was soll’s. Pollini ist ein grundehrlicher Verwalter seines in Jahrzehnten aufgehäuften künstlerischen Vermögens. Das trägt jetzt nicht mehr so viele Zinsen, aber verliert auch nicht an Wert.