Das war starker Tobak für ein romantisches Gemüt wie Robert Schumann: Die Tagebuchaufzeichnung über eine etwas eigenartige Bettlektüre und die Folgen davon bezieht sich auf Lord Byrons "Manfred". Diese Musik, von Schumann als Dramatisches Gedicht bezeichnet, stand am Ende des ersten Konzerts einer zweiteiligen Romantik-Exegese von Sir John Eliot Gardiner, seinem Monteverdi Choir und der Camerata Salzburg. Ein exklusives und darob festspielwürdiges Projekt.

Zuhörern der Schumann-Zeit waren literarische Figuren wie Manfred oder Mignon (mit dem Requiem für Mignon eröffnete Gardiner das Konzert am Donnerstagabend) wohl vertraut. Mit Lord Byron werden Gymnasiasten im Deutsch-Unterricht seit Generationen nicht mehr belästigt. Der Bildungskanon hat sich geändert.

Geister in der Luft oder als stampfend-bedrohliches Heer. Einige Abschnitte sind als Melodrame gefasst, manche Szene wirkt nahezu wie ein Opernrezitativ ohne Gesang.

Jens Harzer war der eindrückliche Sprecher des in Dialogform aufbereiteten Textes. "Das leerste Wort, das je aus Schulgewäsch das Ohr bethörte", heißt es in der Byron-Übersetzung von einem gewissen Herrn Karl Adolf Suckow, und dem ist ja eigentlich wenig hinzuzufügen. Harzers expressive Textgestaltung, durchaus nah am Karikieren gelegentlich, ist vermutlich die einzig lautere Art, dieser Dichtung beizukommen. Aber: Die Musik ist anschaulich, packend, und ein geübter Klangredner wie Gardiner kann da viel herauskitzeln.