Ihr Auftritt dauerte gerade einmal einen Akt und eine Szene. Und dennoch adelte, ja krönte sie den Abend im Großen Festspielhaus: Elina Garanča als Marguerite in Hector Berlioz’ "La Damnation de Faust". Von der unschuldigen Verzückung über das plötzliche Begehren bis hin zu wogender Unruhe und dem sehnenden Verzweifeln ließ die lettische Mezzosopranistin alle Facetten dieser kurzen, aber eindrucksvollen Partie erstrahlen. Garančas Stimme, die zuletzt noch an Fülle und Dramatik gewonnen hat, ist dabei Klang gewordene Stimmkultur gepaart mit seelenvoller Emotion. Die Tiefe ihrer Gestaltung ließ am Sonntagabend für Augenblicke vergessen, dass es sich um eine konzertante Aufführung handelte.

Ob sie allerdings ob ihrer mitunter herrlich dramatisch aufbrechenden Klangfülle und facettenreichen klanglichen Reife die richtige Besetzung für diese Partie ist, bleibt zumindest Geschmackssache. Der schön geführte lyrische Tenor von Charles Castronovo in der Titelpartie konnte neben ihr jedenfalls nicht gleichberechtigt bestehen, obgleich er die fordernde Partie des Faust souverän, ja mitunter heldenhaft meisterte. Stimmlich wie angedeutet spielerisch ebenbürtig mit Garanča jedenfalls Ildar Abdrazakov mit seinem kultiviert lodernden Bass als sonor wendiger wie diabolischer Méphistophélès.

Üppig ausgestattet

Die restliche klangliche Ausstattung des Abends kann getrost als üppig bezeichnet werden. Dirigent Alain Altinoglu gelang es, die auch solistisch ausgezeichneten Wiener Philharmoniker, den flexiblen Staatsopernchor sowie den Kinderchor der Festspiele stets stimmig auszubalancieren - von feinen Naturimpressionen über höllisch infernales Tosen bis zum innig himmlischen Finale.