Das Wetter ließ es zwar nicht zu, dass Tschaikowskis Sechste Symphonie am Sonntag unter freiem Himmel in Grafenegg ertönte. Das Konzert des Orchestre Philharmonique de Radio France, stattdessen im überdachten Konzertsaal des Geländes abgehalten, sollte sich dennoch als atmosphärisch erweisen. Der finnische Chefdirigent Mikko Franck modelliert keinen monumentalen Klotz, sondern ein Konglomerat aus unzählbar vielen Feinheiten. Der Einsatz der Blechbläser ist astrein, die Homogenität der Streicher kaum zu übertreffen, die Dynamik bis ins Pianissimo mustergültig. Dabei wirken die Gesten Francks wie eine höfliche Einladung, die Stimmgruppen miteinander in Dialog treten zu lassen.

Energisches Cello

Zwischen der "Pathétique" und dem Eröffnungsstück des Abends (der Ouvertüre zu Berlioz’ "Béatrice et Bénédict") besticht die Cellistin Sol Gabetta durch ihre Virtuosität. Die Argentinierin brilliert, technisch und energetisch, als Kraftzentrum im Zweiten Konzert für Violoncello und Orchester von Dmitri Schostakowitsch. 1966 uraufgeführt, besteht das Werk aus einem pausenlosen Klanggeschehen, in dem Orchesterstimmen die Monologe des Cellos immer wieder raffiniert durchweben. Ein Saitenriss von Gabettas Instrument tut zwar kurz dem Spiel, nicht aber der musikalischen Spannung Abbruch: Nach einer kleinen Pause werden die Zuhörer erneut mit dem Dialog zwischen Schlagwerk und Solocello belohnt. Insgesamt eine Orchesterleistung, die süchtig macht - und ein kurzweiliger Abend mit sattem Applaus.