Benjamin Brittens "War Requiem" war bei seiner Uraufführung im Jahr 1962 anlässlich der Einweihung der wiederaufgebauten Kathedrale in Coventry ein kulturpolitisches Ereignis über Großbritanniens Grenzen hinaus.

60 Jahre später ist das 90-minütige Werk des bekennenden Pazifisten immer noch ein wirkungsvolles Erlebnis. Am vergangenen Wochenende wurde die Komposition zweimal im Wiener Musikverein gespielt. Mit kundiger Voraussicht organisierte Dirigent Ivor Bolton die einzelnen Passagen. Tenor Daniel Behle und Bariton Samuel Hasselhorn erfüllten die vom Komponisten selbst geforderten Kriterien "äußerste Schönheit, Intensität und Ernsthaftigkeit" mit Bravour. Zwei verfeindete Soldaten, Tenor und Bariton, sowie ein mitten unter den anderen Instrumentalisten platziertes Kammerorchester (intensive Soli von Geiger Anton Sorokow) bilden eine Ebene des Werks, in welchem der Text der lateinischen Totenmesse mit Gedichten des englischen Dichters Wilfred Owen verwoben ist. Zum Höhepunkt wurden die vertonten Worte "Ich bin der Feind, den du erschlugst, mein Freund. Ich kenn’ im Dunkeln dich; du warst mein Feind gestern noch, als du mich durchbohrt so wild."

Eine Sopranistin (Ilia Papandreou mit eleganter Durchschlagskraft), der Singverein der Gesellschaft der Musikfreunde in Wien sowie die Wiener Symphoniker waren die engagierten Interpreten der eigentlichen Messvertonung. Darüber schwebten eine Orgel und als Knabenchor die ausgezeichnet singenden Wiener Sängerknaben.