Man nehme eine sich schlängelnde Wirbelsäule, ein rotierendes Handgelenk und quirlige Finger: Schon hat man die Kernelemente von Paavo Järvi beim Dirigieren von drei der zwölf "Londoner Symphonien" von Joseph Haydn. Am Montag, dem ersten von zwei Konzerten der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen im Konzerthaus, dürfte selbst Haydn aus seiner 200 Jahre alten Ruhe erwacht sein und von ganzem Herzen gelacht haben.

Freudestrahlendes Orchester

Die wesensgleiche Arbeit des künstlerischen Leiters Järvi und seines freudestrahlenden Orchesters bringt die musikalischen Motive mit Ehrfurcht und zugleich unwiderstehlichem Witz zur Geltung. Da können dem Publikum auch einmal Lacher entschlüpfen; dem bravourösen Pianopianissimo lauscht man, als ob es beinah wehtäte. Die Bremer wissen, wie sie Noten spielerische Eloquenz entlocken. Ganz vorne dabei Konzertmeister Daniel Sepec, dessen Stimme dominiert und doch mit dem Gesamtklang verschmilzt.

So entfaltet sich die Originalität von Haydns späten Symphonien Nummer 94, 99 und seiner abschließenden Nummer 104 in all ihrer Raffinesse, Eleganz und Virtuosität. Sowohl das Volkslied "Oj, Jelena, Jelena!" aus Haydns Kindheit als auch eine spätere Beethoven-Melodie klingen in der 104. Symphonie an, und die Pauke in Nummer 94 rüttelt seit jeher das Publikum wach.

Ein Abend voller optischer und akustischer Reize, die den Wiener Ansprüchen Genüge leisten und mit Bravi und langem Applaus goutiert werden.