Die Osterfestspiele Salzburg zu Allerheiligen? Die Habitués ließen sich auch vom ungewohnten Termin nicht abhalten und strömten zahlreich zum Nachholtermin ins Große Festspielhaus.

Im Mittelpunkt des viertägigen Festivals stand am Sonntagabend ein umjubeltes Konzert mit Ausschnitten aus Richard Wagners "Ring". Im konzerttauglichen ersten "Walküre"-Aufzug fand ein erfahrenes Wälsungenpaar zueinander. Stephen Gould verfügt mit seinem baritonal-grundierten Tenor immer noch über schier unendliche Kräfte, sodass Siegmunds Wälse-Rufe an den Fundamenten des Festspielhauses zu rütteln schienen. Anja Kampe sang die Sieglinde mit sicherem und leuchtendem Sopran, wenn auch distanzierter als ihr Kollege und mit nicht ganz so klarer Diktion. Aber sie war auch doppelt gefordert, denn im zweiten Teil musste sie noch Brünnhildes zehrenden Schlussgesang aus der "Götterdämmerung" bewältigen, in dem ihre Stimme resonanz- und farbenreich strahlte. René Pape ergänzte das "Walküre"-Solistenterzett als profilierter und imposanter Hunding.

Mit ihrem Noch-Chefdirigenten Christian Thielemann bettete die Staatskapelle Dresden die Solisten auf einen differenzierten Klangteppich, der sie nicht zum Forcieren verleitete und gleichwohl Raum für die dramatischen Ausbrüche ließ. In den orchestralen Zwischenspielen und in der Schlussszene aus der "Götterdämmerung" nach der Pause standen dann Thielemann und das Orchester im Zentrum, in dem sie die vielfach verwobenen Leitmotive so effektvoll "inszenierten", dass man vergaß, nur in einem Konzert zu sitzen.

Nur solide war daneben das Programm am Vortag unter Daniele Gatti, in dem die heurige Trägerin des Herbert-von-Karajan-Preises Hilary Hahn Mozarts A-Dur-Violinkonzert KV 219 mit eigenen Kadenzen anreicherte, die den Bogen zum romantischen Restprogramm schlugen.