Ein voller Saal, starke künstlerische Positionen, ein bestens disponiertes RSO Wien mit seiner beeindruckend präsent agierenden Chefdirigentin Marin Alsop: ein gelungener Festival-Auftakt für Wien Modern. Der Abend in großer Besetzung brachte in der ersten Hälfte die Uraufführung von Thomas Wallys Trompetenkonzert "Utopia I. Seltsame Schleifen": Der Klangapparat schillerte dabei in all seinen Facetten. Ein wabernder Organismus, der laufend seine Gestalt verändert und so dem österreichischen Trompeten-Shooting-Star Selina Ott ein Partner in wechselnden Rollen ist. Dieses Zusammenwirken von Solistin und Orchester verhandelte der Wiener Komponist in seinem mitunter humorvollen Stück, in dem er Zitate aufblitzen ließ. Selina Ott behielt ihren klaren Ton stets bei, trotz technischer Finessen.

Für den zweiten Teil finalisierte Christian Ofenbauer seine Opern-Tetralogie, verzichtete darin auf jegliches menschliche Wort und überließ die Reminiszenz an das Szenische der "Visuellen Komposition" von Andrea Sodomka. Im dichten Nebel und auf transparenten Stoffbahnen leuchteten warmes Orange und kühles Blau, sparsam eingesetzte Effekte, die dem knapp einstündigen Werk den notwendigen Raum gaben. Ofenbauers Musik entwickelte einen rhythmischen Sog, der das Publikum mit klanglicher Verdichtung zu fesseln wusste.