Der Klassik-Pianist Nelson Freire ist mit 77 Jahren an seinem Wohnort in Rio de Janeiro verstorben, über die Todesursache wurde vorerst nichts bekannt.

Freire, 1944 im brasilianischen Bundesstaat Minas Gerais geboren, begann seine Karriere denkbar früh: Seinen ersten öffentlichen Auftritt gab er mit fünf Jahren, mit 12 erhielt er ein Stipendium und ging zum Studium nach Wien. Im Verlauf der folgenden Jahrzehnte arbeitete er mit einigen der bedeutendsten Dirigenten und Klangkörpern der Welt - mit den Wiener Philharmonikern ebenso wie mit den Berliner und New Yorker Philharmonikern, mit Pierre Boulez, Riccardo Chailly, Eugen Jochum. Eine besondere Freundschaft verband den Brasilianer mit der Argentinierin Martha Argerich: Als Klavierduo gingen die beiden auf Konzertreisen und nahmen Alben auf.

Fein schattierter Anschlag

Freires Vorliebe galt vor allem romantischen Komponisten wie Brahms, Schumann und Chopin, die er feinnervig interpretierte: Die Abstufungsmöglichkeiten seines Anschlags ließen noch auf "Encores", seinem letzten veröffentlichten Album von 2019, staunen. Im selben Jahr brach sich der Brasilianer einen Arm; aufgrund der Operation und der nachfolgenden Corona-Pandemie war er danach nicht mehr aufgetreten.(irr)