Ein Duo solle so geschrieben sein, dass das Publikum die dritte Stimme nicht vermisse. Patricia Kopatchinskaja und Sol Gabetta gedachten dieser dritten Stimme am Montag im Wiener Konzerthaus. Der Abend im Mozart-Saal war der gemeinsamen Freundin und Kammermusikpartnerin Mihaela Ursuleasa gewidmet. Vor bald zehn Jahren verstarb die Pianistin völlig unerwartet. Ihr fröhliches Naturell sei in das Programm eingeflossen.

Patricia Kopatchinskajas Offenherzigkeit verwandelt ihre Auftritte per se in etwas Besonderes, nicht Alltägliches. Die Geigerin versteht es, mit den Zuhörenden in Kontakt zu treten. Durch ihre intensiven Interpretationen, mit ihren Gesten, Blicken und kurzen Moderationen. Energie und Jugendlichkeit scheinen sich bei ihr nie zu erschöpfen. Von Vater Bach bis zum Schweizer Julien-François Zbinden reichte die Werkauswahl. Die Duos von Maurice Ravel und Zoltán Kodaly, die Flaggschiffe für diese Besetzung, bildeten die Grundpfeiler des Konzerts. Ihre Vitalität versprühten die beiden Musikerinnen bereits beim Betreten des Podiums. Mit Schellen an den Füßen brachten sie Jean-Marie Leclairs "Tambourin" direkt aus dem Künstlerzimmer mit auf die Bühne.

Kopatchinskaja und Gabetta haben unbändige Freude am Musizieren, am klanglichen und rhythmischen Gestalten. Bis zum letzten Tropfen wird das musikalische Material regelrecht ausgepresst, kein Gramm Intensität bleibt ungenutzt oder wird gar vergeudet.