Besteht eine Cuvée aus mehreren Weinen, werden beim Gemischten Satz Riesling, Neuburger, Weißburgunder und Traminer vor dem Gärungsprozess gemischt. Solch ein Gemischter Satz ist eine typisch Wiener Weinkreation. Seinerzeit als billiges G‘schlader verschrieen, ist er heute zum regionstypischen Qualitätswein aufgestiegen.

Ein glückliches Räuscherl kriegt man auch, wenn man den beiden CDs des Albums "Gemischter Satz" lauscht, das die Gramola herausgebracht hat. Dass Opernsänger sich aufs Wienerlied-Terrain begeben, ist nichts Neues: Erich Kunz war ein begnadeter Wienerlied-Interpret, und was Angelika Kirchschlager, Walter Berry, Heinz Holecek und Heinz Zednik in Konzerten live gesungen und glücklicherweise aufgenommen haben, gehört zum besten, was an seriösen Volksmusik-Einspielungen vorliegt.

Wienerlieder und Gedichte Gemischter Satz (Gramola)
Wienerlieder und Gedichte Gemischter Satz (Gramola)

Auf diesem Niveau reiht sich das neue Album von Günther Groissböck, Karl Michael Ebner und den Philharmonia Schrammeln ein - und ist teilweise noch besser: Ist Groissböck im "Fiakerlied" wunderbar, sind "Mei Muatterl war a Wienerin" und "Stellt‘s meine Roß in‘ Stall" unvergleichlich. Da wird das Wienerlied zur hohen Kunst, behält, auch in der Begleitung durch die Philharmonia Schrammeln, seine Herbheit, eine Nuance Bitterkeit gemischt mit Nostalgie. Ganz mit Innenschau phrasiert Groissböck die Melodien - und blickt, wie auch Karl Michael Ebner, durch die Interpretationen tief in die Wiener Seele. Das ist schön, ohne falsche Gemütlichkeit, berührend, ohne in Sentimentalität abzugleiten.

Anton Bruckner Streichquintett u.a. (Gramola)
Anton Bruckner Streichquintett u.a. (Gramola)

Dazu passt ideal die zweite CD, auf der Christoph Wagner-Trenkwitz Gedichte in Wiener Mundart rezitiert. Die Texte stammen von Trude Marzik, H. C. Artmann und Josef Weinheber. Wagner-Trenkwitz, Chefdramaturg der Wiener Volksoper und bekannt als Opernerklärer in bester Marcel-Prawy-Nachfolger, erinnert dabei daran, dass er als Schauspieler und Kabarettist auf der Bühne gestanden ist. Er macht seine Sache so hinreißend, wie es die Philharmonia Schrammeln es mit ihren instrumentalen Intermezzi machen. Das Ergebnis ist ein Album, das glücklich macht - und nicht nur Wien-Fans ans Herz gelegt sei!

"Wiener Zeitung"-Klassikexperte Edwin Baumgartner.
"Wiener Zeitung"-Klassikexperte Edwin Baumgartner.

Anton Bruckner war Oberösterreicher mit Karriere in Wien, und dieses Österreichertum zwischen Knorrigkeit, Sentiment und Weihrauch merkt man seiner Musik an. Allerdings gelingt es wenigen Interpreten, die Balance zu halten zwischen naiver Gläubigkeit und einer irrwitzigen Modernität voller Brüche und übersteigerter Triumphe.

Rémy Ballot spielt als Dirigent für die Gramola Bruckners Sinfonien komplett ein. Nun aber hat er als Geiger andere Streichervirtuosen um sich versammelt und legt Bruckners Quintett und Quartett vor. Das Quartett, ein frühes Werk, ist ein eher akademischer Beweis, dass Bruckner Kontrapunkt schreiben kann. Das Quintett hingegen ist eines seiner schönsten Werke, voller Spannung und mit einem Adagio, das auch bei Bruckner wenig seinesgleichen hat. Unter Ballots Führung entwickelt sich das Quintett in seiner Tiefe des Fühlens und Denkens zu einer Sinfonie für kleine Besetzung, während das Ensemble dem Quartett immerhin jugendliche Frische zugesteht. Was will man mehr?