Der Klavierabend von Daniel Barenboim am Sonntag: verschoben. Der Auftritt des BR-Symphonieorchesters am selben Tag: wegen eines Corona-Falls abgesagt. So kam es, dass der Goldene Saal des Wiener Musikvereins bereits am Tag vor dem Lockdown-Beginn in Stille versank. Wer ein letztes Mal für wer weiß, wie lange ein Klangbad in dem edlen Resonanzraum nehmen wollte, der musste schon am Samstag dem Concentus Musicus einen Besuch abstatten.

Tatsächlich war dieser Abend stattlich besucht: Geschätzte 80 Prozent der Sessel hatten trotz der 2G-Plus-Auflagen einen Gast gefunden, und das Musikaufgebot entschädigte für die Mühsal der Zutrittskontrollen. Ein Händel-Programm führte von der Kantate "Apollo e Dafne" - einer Art Mini-Oper mit Florian Boesch als bärbeißigem, buhlendem Gott - über Orchesterstücke bis zu Ohrwürmern aus "Il trionfo del Tempo e del Disinganno". Schön anzuhören, wie Dirigent Stefan Gottfried auf zügige Tempi setzt und Akzente mit federnder Leichtigkeit mildert - und wie die Hörner im Concerto HWV 334 mit satten Signalen prunken. Schöner noch, wie Sopranistin Julia Lezhneva ihre Einsätze als keusche Daphne und sinnliche Piacere gestaltet: Die Russin gebietet über einen grazilen, glockenreinen, doch warmherzigen Ton, formt butterweiche Legato-Linien und vermag in lyrischen Passagen schier die Zeit anzuhalten: In der Arie "Lascia la spina" lässt sie ihre Stimme so entrückt über dem Streicherteppich schweben, dass man vor Ergriffenheit eine ganze Badewanne vollweinen könnte. Ein Moment der Schönheit, von dem man lange zehren wird.