"The Planets" des Engländers Gustav Holst kennt jeder - und wenn nicht das Werk selbst, so eine Nachahmung davon, denn kaum eine Scifi-Filmmusik kommt ohne Imitationen von "Mars, the Bringer of War" aus. "The Planets" sind das eine große Werk, das nahezu jeder Dirigent zumindest aufgenommen hat. Der restliche Holst? - Lyrita legt nun die Oper "The Perfect Fool" vor - und die erstaunt.

Kenner der englischen Musik wissen, dass viel von Holsts Schaffen den "Planeten" überlegen ist, vor allem das Orchesterwerk "Egdon Heath", aber auch die "Choral Symphony" und die "Ode to Death". Mit Lebensdaten von 21. September 1874 bis 25. Mai 1934 war Holst ein Zeitgenosse von Richard Strauss - und wie Strauss, so konnte auch Holst harmonisch kühn bis an die Grenze bi- und atonaler Verwegenheiten gehen, dann aber wieder scheinbar einfache Dinge mit einem unvergleichlich luxuriösen Klanggewand ausstatten.

Gustav Holst The Perfect Fool
Gustav Holst The Perfect Fool

Anders als Strauss allerdings, hatte Holst mit seinem geliebten Operngenre das größte Problem. Die frühe "Sita" zog er als Wagner-Kopie zurück. Darauf folgten nur noch nicht abendfüllende Einakter, und alle sind höchst problematisch.

Die Kammeroper "Savitri" ist ein Juwel - aber mit ihrer rund halbstündigen Aufführungsdauer kaum adäquat zu ergänzen. "At the Boar‘s Head" versucht, einer Falstaff-Szene mit Bearbeitungen alter Volkslieder beizukommen - das klingt amüsanter, als es ist. "The Wandering Scholar" funktioniert besser - aber wieder ist das Werk mit knapp einer halben Stunde Spieldauer zu kurz für vernünftige Ergänzungen - selbst die ideale mit Darius Milhauds "Le pauve matelot" ergäbe einen arg kurzen Abend. Bleibt "The Perfect Fool". Und auch er hat Probleme, wie die insgesamt gute Aufnahme unter der Leitung von Charles Groves zeigt.

"Wiener Zeitung"-Klassikexperte Edwin Baumgartner.
"Wiener Zeitung"-Klassikexperte Edwin Baumgartner.

Der Inhalt: Ein Zauberer will die Prinzessin mittels eines Tranks für sich gewinnen. Den freilich trinkt ein Narr. Die Prinzessin ist hin und weg und will den Narren zum Mann nehmen, der aber sagt "nein" zu ihr.

Die Spieldauer der Oper ist nicht herauszubekommen: In der Aufnahme sind die angeblich ausufernden gesprochenen Dialoge auf ein Minimum gekürzt, was eine Stunde Spieldauer ergibt.

Was das Ganze soll? - Das ist die Frage. Stellenweise ist die Wagner-Parodie unüberhörbar. Die Rolle des "Troubadour" ironisiert Verdi. Das Werk insgesamt ist eine Opernparodie, die immer das unterläuft, was auf der Hand läge. So ist der Narr eine Sprechrolle, was jegliches Liebesduett von vorneherein unmöglich macht.

Bekannt geworden ist die Ballettmusik vom Beginn der Oper, wenn der Zauberer die Elemente beschwört. Das Werk wird durch diese massive Eruption kopflastig trotz aller Schönheiten, die noch folgen. Auch, wenn die süffigen melodischen Wendungen als Opern-Konvention nicht ernst gemeint sein dürften: Die Musik dieses seltsamen Gebildes ist jedenfalls überwältigend mit ihren stampfenden Rhythmen und ihren bunten Farben.

Weshalb Lyrita auf die technisch befriedigende Mono-Aufnahme der BBC aus dem Jahr 1967 zurückgriff, statt auf die technisch wie gesanglich überlegene Stereo-Aufnahme desselben Senders, die Vernon Handley im Jahr 1995 dirigierte, ist ein Rätsel. Was nichts daran ändert, dass es unglaublich erfreulich ist, mit diesem Werk Holsts Bekanntschaft machen zu können. Es lohnt sich!