Die Zeiten der Schachbrett-Belegung sind vorbei - und doch sah es am Montag im Musikverein genau danach aus: Viel Luft im Parterre des Großen Saals, manche Reihe gar zur Hälfte verwaist.

Das lag wohl nicht nur an den aktuellen Mühnissen eines Konzertbesuchs, sondern auch an einem Programm, das sich für Wiener-Philharmoniker-Verhältnisse nahezu tolldreist ausnahm. Alfred Schnittkes Violakonzert von 1986, dazu die Dritte Symphonie von Alexander Skrjabin aus dem Jahr 1905: Wann hört man dergleichen schon abseits von Konzerten mit einschlägigem Bildungsauftrag?

Eine Rarität hierzulande auch der Dirigent, nämlich Kirill Petrenko. Es wäre zu begrüßen, würde sich dieser Zustand ändern: Petrenko, bis 2020 Generalmusikdirektor der Bayerischen Staatsoper und nun Chefdirigent der Berliner Philharmoniker, ist nicht von Ungefähr an diese Posten gelangt. Nur leider: Wie sehr er eine Partitur zu elektrisieren vermag, wie verlässlich er auch in dicken Romantik-Schwarten ein transparentes Klangbild herstellt, hat der 49-jährige Mann aus Omsk bisher eher selten in Wien bewiesen.

Göttliche Verzückung

Zugegeben: Schnittkes Violakonzert, ein Beispiel für die Eklektik des Wolga-Deutschen, ist weder leichte noch stimmige Kost: Herbe Avantgarde und Alban-Berg-Anleihen prallen da auf klassische Kadenzen wie die Faust aufs Aug’. Bratschist Antoine Tamestit erweist sich gleichwohl als passionierter Advokat für diese Collage.

Skrjabins Dritte, anzuhören wie ein Mischling aus einem Tschaikowski-Ballett und Wagners "Tristan"-Chromatik, ist deutlich kompakter geraten, doch auch nicht frei von Exzentrik: Der Dreisätzer des russischen Klangmystikers predigt die Selbsterhöhung des Menschen zur Gottheit, befeuert durch die Kräfte der Ekstase. Eminent, wie leichtfüßig diese Musik unter Petrenkos Leitung zu tanzen scheint und was für Sphären- und Silberklänge die Wiener Philharmoniker, nicht zuletzt dank ihrer Richard-Strauss-Kompetenz, dazu beisteuern: eine musikalische Partnerschaft mit Potenzial.