Jonas Kaufmann wird zu Weihnachten wohl in vielen Wohnzimmern zu Gast sein. Das ZDF zeigt am Heiligen Abend (ab 22.30 Uhr) ein musikalisch-kulinarisches Beisammensein, zu dem der Tenor einige Gäste eingeladen hat; auch ORF III rückt den Publikumsmagneten am gleichen Abend ins Bild.

Am Mittwoch war Kaufmann im Wiener Konzerthaus mit einem Weihnachtsprogramm zu erleben, und im Großen Saal war die Freude ob des charmanten Stars spürbar. Mit schwarz-goldenem Sakko betrat dieser nach Engelbert Humperdincks "Hänsel und Gretel"-Ouvertüre die Bühne, stellte sich zum Mikrofon und begann seine Reise durch das vielfältige Repertoire für das schönste Fest im Jahr. Die gut disponierte Deutsche Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz unter Jochen Rieder begleitete Kaufmann durch alle Epochen und Länder. Der Zuckergehalt der Arrangements reicht von gut verträglich bis gefährlich kitschig, wobei Celesta, Englischhorn und natürlich die Harfe unverzichtbar sind.

Blumen vom Balkon

In der zweiten Konzerthälfte verwandelte sich Kaufmann kurzzeitig in einen US-Entertainer und das Orchester mutierte zur Bigband. Den stärksten Eindruck hinterließen dennoch "Es ist ein Ros‘ entsprungen" von Michael Praetorius und "In The Bleak Midwinter" von Gustav Holst: schlicht gehaltene Fassungen, Stimme pur. Und die klang einfach wunderbar. Dass bei einem mit allen Wassern gewaschenen Liedsänger den Texten große Bedeutung geschenkt wird, ist selbstredend und eine erfrischende Komponente, gerade bei derart bekannter Musik. Am Ende reichlich Zugaben und Blumen, die vom Balkon geflogen kamen.