Es war ein Angebot, das keiner ablehnen kann, auch nicht der sonst so stolze, störrische Ludwig van Beethoven. Als sich Europas Regenten 1814 in Wien scharten, um den Kontinent neu aufzuteilen, durfte er im November ein Konzert für die Blaublüter ausrichten: ein Großereignis vom Rang einer heutigen Olympiaeröffnung. Da wundert es kaum, dass Beethoven Konzessionen in Kauf nahm. Zwar stellte er sich mit seiner Siebenten Symphonie als der Fürst der zeitgenössischen Tonkunst vor. "Wellingtons Sieg oder Die Schlacht bei Vittoria", ein Schlachtengemälde mit reichlich Kanonen-Tschinbumm, bediente dagegen eine martialische Spektakellust. Und die Kantate "Der glorreiche Augenblick", eine Huldigungsadresse an die Häupter des Kongresses, wies Beethoven als artigen Hoflieferanten aus, so sehr er unter dem Struwwelkopf humanistischen Idealen anhing.

Warum die Symphoniker dieses Programm nun am Wochenende, unrunde 207 Jahre später, exhumiert haben, erschließt sich nicht so ganz. Es gab dennoch Gelegenheit, einen pragmatischen Beethoven kennenzulernen, der im Ausnahmefall zulasten der Qualität pünktlich lieferte: Der "Glorreiche Augenblick" erfüllt in erster Linie tönende Jubelkonventionen, nur da und dort geadelt durch Geistesblitze wie die Kavatine "Die erste Zähre". Dennoch ergötzt hier eine Prachtenfaltung, realisiert unter der quirligen Führung von Andrés Orozco-Estrada im Verbund mit der Singakademie, den Jungsängern der Opernschule der Wiener Staatsoper und einem Solistenquartett mit der markanten Vera-Lotte Boecker. Freundlicher Beifall, auch für eine solide Siebente.