Sie hat "die klassische Musikwelt im Sturm genommen", heißt es auf ihrer Homepage, und das nicht ganz zu Unrecht. Sieben Jahre ist es her, dass Lise Davidsen als Trophäen-Staubsauger durch die Wettbewerbszene wirbelte und dann die führenden Bühnen zu entern begann. Scala, Met, Bayreuth, Wiener Staatsoper: Alles mittlerweile im Portfolio. Und seit Dienstag auch der Mozartsaal im Konzerthaus, den die Sopranistin erstmals mit Liedern beehrte und dafür, ja, stürmische Ovationen erntete.

Kraft-Kammermusik

Trotz des Zuspruchs bleibt die Frage, ob die 34-Jährige nicht auf einer Opernbühne besser aufgehoben ist - und die Vermutung, dass Leif Ove Andsnes, der prominente Begleiter mit der peniblen Phrasierung, am Dienstag einen größeren Konzertflügel hätte brauchen können. Schon bei Edvard Griegs eröffnendem "Gruß" entstößt sich Davidsen Dezibelspitzen, als gelte es, den Blechpanzer eines "Ring"-Orchesters zu durchstechen - und diese Ausschüttungen setzt es auch bei Richard Strauss und Wagners "Wesendonck-Liedern", deren "Treibhaus" geheimnisarm anmutet. Davidsens Sopran, markant statt üppig in der Tongebung, doch von Raketenkräften befeuert, entwickelt mit steigender Lautstärke zudem einen Schärfegrad, der sich im Mozartsaal als ungebetener Gast erweist. Schade - denn die Norwegerin verfügt durchaus über Kammerkompetenzen, vor allem über Legatoeleganz und ein Pianomaterial für intime Klangkulissen: Das nützt hier zumindest Griegs "Haugtussa"-Zyklus, in dem Davidsen als verliebtes Naturmädel bezirzt und zurecht über den grünen Klee geklatscht wird.