Wieder eine Erkenntnis, die man der Pandemie verdankt: Der Große Musikvereinssaal besitzt nicht nur eine exzellente Akustik, er scheint auch gut gegen Außengeräusche abgeschirmt zu sein. Kein Ton von jener Corona-Demo, die am Samstag teils ohrenbetäubend laut über die Ringstraße rumorte, im Saal selbst.

Das Programm leistete womöglich ein Übriges, den Rabatz zu überblenden: Die Philharmoniker widmeten sich unter dem notorisch dezibelfreudigen Valery Gergiev der Romantik Sergei Rachmaninows und füllten die zweite Konzerthälfte mit dessen Zweiter Symphonie: ein einstündiges Vollbad in schmachtenden Klangfluten. So opulent der Sound, so dürftig aber zeitweise der Inhalt. Der langsame Satz erreicht die Niederungen einer uninspirierten Popschnulze, und er wurde ja auch tatsächlich zur Grundlage für eine ebensolche - nämlich für "Never Gonna Fall in Love Again" von Eric Carmen, nachdem sich der US-Sänger schon das Adagio des Zweiten Klavierkonzerts für "All By Myself" "geborgt" hatte.

Tastentiger mit Feingefühl

Auch dieses Klavierkonzert prunkte am Samstag in einem üppigen Klangkleid. Stimmt zwar: Etwas weniger Wucht in den Tutti, und so manche Figuration des Klaviers wäre nicht zu einer nebulosen Textur verschwommen. Denis Matsuev glänzte dennoch als Tastentiger von stupender Sicherheit und Geschmack: Sein Spiel besitzt nicht nur im Akkorddonner Dringlichkeit, sondern auch wenn der Russe das Klavier mit Genießerblick ein zartes Ritardando flüstern lässt: Jubel.