Es gibt sie noch, die unwiederbringlichen Momente der Kunst, in denen Virtuosen ihr Können phänomenal spürbar machen. Am Donnerstag dankt das gesamte Publikum dafür mit Standing Ovation: Die Pianistin Martha Argerich, der Geiger Gidon Kremer und der Cellist Mischa Maisky holen im ausverkauften Großen Saal des Wiener Konzerthauses aus ihren Instrumenten heraus, was andere nur schwer vermögen.

Hohe Intensität

Ludwig van Beethovens Cellosonate op. 5/2 mag einen dabei an den Kampf eines gefangenen Schwans erinnern, der aus einer Fesselung zu entkommen versucht und mit der Kraft seiner Flügel die Stricke fast zum Bersten bringt. Die musikalische Intensität reißt nicht ab, wenn Kremer und Argerich danach die Sonate op. 53 von Mieczysław Weinberg anstimmen: Der riesige Konzertsaal füllt sich mit dem Tonvolumen der Violine von Nicola Amati aus dem Jahr 1641; das Stück öffnet eine emotionale Bandbreite, die von der Lieblichkeit eines Traums bis zu klaustrophobischem Horror reicht.

Nach der Pause präsentiert Kremer seine unerschöpfliche Technik als Interpret einer Serenade von Valentin Silvestrov und einem Requiem von Igor Loboda, zwei zeitgenössischen Werken für Solo-Violine. Beim e-Moll-Klaviertrio von Dmitri Schostakowitsch sind die drei Musikerlegenden auf der Bühne wieder vereint und bringen die Musik mit einer stechenden Schärfe zum Klingen, die an den Schneesturm des Donnerstagnachmittags erinnerte.