Es wirkt wie ein Strudel aus Tönen, der alles um sich herum immer tiefer in kreisende Bewegungen hineinsaugt. Oder war es doch ein Hurrikan? Am Mittwoch sorgt die Fünfte Symphonie von Jean Sibelius für einen unausweichlichen Sog, gespielt von den Wiener Symphonikern im Goldenen Musikvereinssaal unter der Leitung des Franzosen Alain Altinoglu. Harte Arbeit verrichten die Streicher mit geschwinden Unisonostellen, in die die Hörner immer wieder hineinbrechen.

Bedrohliche Klänge fallen bereits im ersten Konzertteil auf. In César Francks symphonischer Dichtung "Le Chasseur maudit" scheinen sich ein Jäger als auch die ihn verfolgenden Dämonen ihrer Sache sicher. An dieser Düsternis und Hetzjagd findet insbesondere Matthias Honeck, Stimmführer der Zweiten Violinen, Gefallen. Mit seinem Körper legt er sich in jede schwungvolle Melodiekurve und blickt dabei ganz verzückt. In der Tat verzaubert der Klangkörper der Wiener Symphoniker bei Franck besonders. Altinoglu strahlt und verleiht der Musik mit leichten Sprüngen, innigen Bewegungen sowie viel Mimik Ausdruck. Beim "Poème de l’amour et de la mer" von Ernest-Amédée Chausson tritt an Altinoglus Seite dessen Ehefrau, die Mezzosopranistin Nora Gubisch. Zur melancholischen Grundstimmung des Stücks wünschte man sich allerdings einen Sopran mit Strahlkraft, die von der Komposition leider nicht vorgesehen ist. Solide stirbt Gubisch den Liebestod, während das Solo-Cello in feinen Momenten Stürmisches und gleichermaßen Intimes anstimmt. Applaus aus dem dünn besetzten Saal.