Man könnte es beinahe religiös formulieren, was zum rituellen Grundcharakter der Musik durchaus passen würde: Philip Glass ist die Minimal Music und Dennis Russell Davies sein Prophet. 

Davies, 1944 in Toledo (Ohio) geborner Dirigent und Pianist, hat sich wie kein zweiter Musiker für die Werke von Glass eingesetzt. Von 2002 bis 2017 war Davies Chefdirigent des Bruckner Orchesters Linz und der Oper des Landestheaters Linz, er ist der oberösterreichischen Hauptstadt ebenso verbunden geblieben wie Philip Glass. So ist es selbstverständlich, dass Davies am "Deep Space Concert" der Linzer Ars Electronica am 31. Jänner mitwirkt, das anlässlich von Glass’ 85. Geburtstag per Livestream übertragen wurde.

- © Screenshot Youtube
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Glass war ab der zweiten Hälfte der 1970er Jahre ein Protagonist der Minimal Music, die mit vorfixierten Spielregeln minimaler Veränderungen eine Brücke schlägt zwischen dem Konstruktivismus der seriellen Musik und tonalen Akkordstrecken. Glass wertete die Verfahren zuerst in Bühnenwerken wie "Einstein on the Beach" aus, ehe er sie auf Orchester- und Klaviermusik übertrug.

Für die Klaviermusik hat sich die japanische Pianistin Maki Namekawa starkgemacht - sie steht im Mittelpunkt des "Deep Space Concerts", in dem sie die für sie komponierte Klaviersonate und sechs Etüden von Glass aufführt. Für sie und Davies als Klavierduo-Partner hat Glass die "Four Movements for Two Pianos" komponiert, die, wie die anderen Werke mit digitalen Echtzeitvisualisierungen auf dem Programm stehen.

Philip Glass (l.) und Bob Thurman beim Tibet House US Benefit Concert des Jahres 2020 in New York. 
- © apa / afp / getty images / Tibet House / Noam Galai

Philip Glass (l.) und Bob Thurman beim Tibet House US Benefit Concert des Jahres 2020 in New York.

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