Der Goldene Saal des Wiener Musikvereins trägt am Samstagnachmittag ein Heimspiel aus: Rudolf Buchbinder und die Philharmoniker kommen für ein (Corona-bedingt verspätetes) Geburtstagskonzert zu Ehren des 75-Jährigen zusammen und lassen den Wiener Klang aufleben. Was mit einem Auftritt Buchbinders einhergehen mag, lassen die strahlenden Gesichter im Orchester bereits ahnen, nicht zuletzt der gerade einmal 24-jährige Solo-Oboist Sebastian Breit mit dem Glanz in seinen Augen. Ob sich darin der ideale Klang widerspiegelt?

Wer diesen vorgibt, macht Buchbinder als Pianist und Orchesterleiter mit Beethovens Erstem Klavierkonzert klar. Er dirigiert nicht mathematisch, sondern malt seine Farbvorstellungen in die Luft und versendet Liebespfeile für den orchestralen Einsatz. Die partnerschaftliche Verbindung zeigt sich besonders mit den Bläsern, das Wechselspiel zwischen der wuchtigen Pauke und einem leisen Klavier gerät intensiv. Sanft und doch bestimmt platziert Buchbinder die Finger auf den Tasten.

Bei Mozarts Klavierquintett KV 452 wird es leider monoton: Das Fagott (Sophie Dervaux) folgt der Gruppe solide, während das Horn (Ronald Janezic) nachhinkt. Klarinette (Gregor Hinterreiter) und Oboe (Breit) tauchen hingegen in ihre eigene Welt ein, in der sie durch ein und denselben Tonfall verbunden sind. Energetisch dafür Beethovens Drittes Klavierkonzert, in dem die tiefen Streicher und die Pauke an die Neunte Symphonie erinnern. Als Abschluss folgt Dankbarkeit: Standing Ovation, ein lachsfarbener Blumenstrauß und Umarmungen.