Die ihm gewidmete Porträt-Reihe im Wiener Musikverein hatte Sir András Schiff im Herbst als Pianist und Dirigent seiner Capella Andrea Barca begonnen. Am Dienstag setzte der 68-Jährige diesen Zyklus als Gast in der Serie von und mit den Berliner Philharmonikern fort.

Das Orchester wiederum präsentierte sich erstmals im Goldenen Saal unter der Leitung seines Chefdirigenten Kirill Petrenko. Dessen Engagement für die Musik von Josef Suk ist eine Herzensangelegenheit. CD-Aufnahmen (mit dem Orchester der Komischen Oper Berlin) zeugen davon. Der Schüler und spätere Schwiegersohn von Antonín Dvořák gilt als der Hauptrepräsentant einer neueren tschechischen Symphonik, gespeist von subjektiv Erlebtem. "Zrání" (zu Deutsch "Lebensreifen") wurde vor über 100 Jahren in Prag uraufgeführt: Eine symphonische Dichtung mit großem Orchesterapparat und Damenchor, in der Suk meisterhaft zeigt, wie die damals noch relativ unverbrauchte Ebene des Klangs zum vollwertigen Parameter in der Gestaltung wird. Ein durchgehender Prozess voller Wucht - von den Berlinern mit zweihundert Prozent Einsatz gespielt und mit ebensolchem von Petrenko dirigiert.

Sir András Schiff gestaltete Brahms’ Zweites Klavierkonzert. - © Nicolas Brodard
Sir András Schiff gestaltete Brahms’ Zweites Klavierkonzert. - © Nicolas Brodard

Durchwachsener Solopart

Auch im Zweiten Klavierkonzert von Johannes Brahms zeigte das Orchester seine enorme Geschlossenheit und Klasse eindrücklich; herrlich das Cello im dritten Satz. Eher durchwachsen hingegen der Solopart von András Schiff. Perlende Läufe, geschmackvolle Klänge, jedoch keine durchgehende (vor allem rhythmische) Sicherheit und Souveränität. Wunderschön dafür Brahms’ Intermezzo op. 119/1 als Zugabe.