Romantik, Moderne, Romantik: Drei Worte, die für ein kurzes Gedicht stehen könnten. Am Sonntag koppeln sie die Programmpunkte einer Matinee im Konzerthaus. Die Moderne im Zentrum verdankt sich einem Kompositionsauftrag der Wiener Symphoniker an den gebürtigen Innsbrucker Johannes Maria Staud. Er hat sechs Gedichte des 1963 verstorbenen US-amerikanischen Lyrikers und Arztes William Carlos Williams vertont.

Unter der Leitung des stets vergnügt und fiebrig agierenden Andrés Orozco-Estrada erklingt Stauds "Jittering Directions" als melodische Klanglawinen inmitten jungfräulicher Geräusche - beispielsweise einem Knacken, das wie die gewaltsame Zweiteilung des Taktstocks anmutet; auch Windgeräusche aus dem mannigfaltigen Schlagwerk fehlen nicht. Sopranistin Yeree Suh legt eine angestrengte Mimik an den Tag, doch bei aller Gesichtsakrobatik fehlt es ihr an Tonfülle. Im Teil "Der genaue Zuhörer" ist das gewollt. Abseits dessen hätte Suh die ausgezeichnet platzierten, kontrastreichen Noten in den Großen Saal schmettern dürfen, anstatt sie auf der Bühne für sich zu behalten. Ursprünglich wurde der Solopart für Andrea Carroll komponiert, die jedoch aus dispositorischen Gründen absagte.

Umrahmt ist diese zeitgenössische Huldigung zur Linken auf der Zeitachse von Felix Mendelssohn Bartholdys "Die schöne Melusine" und zur Rechten von Richard Strauss’ "Also sprach Zarathustra": Die Orchesterfarben der Symphoniker schillern in derartig großer Besetzung bombastisch.