Der golden-blaue Mozartsaal des Konzerthauses kann nichts dafür, dass man bei den Farben derzeit die Flagge der Ukraine assoziiert. Dennoch oder gerade deswegen liegt am Dienstagabend von Anfang an eine Dramatik in der Luft - eine Stimmung, die sich mit dem romantischen Duktus der Lieder von Robert Schumann verwebt. Die vertonten Gedichte sind alle auf ihre Art vielschichtig und düster. Unter ihnen wird "Die Löwenbraut" zum interpretatorischen Glanzlicht. Dem Titel entsprechend wirkt Bariton Matthias Goerne stark, getreu und redlich. Unentwegt zügelt er seinen riesigen Resonanzraum, in dessen Flanken er tief hineinatmet, während sein Blick glasig durch die Reihen des Mozartsaals streift.

Goerne und sein Begleiter, der Pianist und Intendant der Salzburger Festspiele Markus Hinterhäuser, sind tief in die Darbietung versunken, die anhaltende Spannung legt sich wie ein raumgreifender Legatobogen über alle Lieder. Während die Pianostellen am Klavier so leise klingen, dass sie schmerzen, sind es bei Goerne die wendigen Höhen und Tiefen, die für Faszination sorgen.

Gänsehaut-Moment

Bei den Worten "tück’schen Frieden" (aus dem Gedicht "Zwielicht" von Joseph von Eichendorff) scheint es aus zu sein mit der Kunst: Goernes Blick bohrt sich starr und direkt ins Publikum, man entkommt ihm ebenso wenig wie der Gänsehaut in diesem Moment. Alles an diesem Abend ist extrem: Romantik, Spannung, Stimmumfang, Piano und letztlich auch der Applaus.