Der Chefdirigent des weltbekannten Moskauer Bolschoi Theaters, Tugan Sokhiev (auch: Tugan Sochijew), verlässt infolge des russischen Einmarsches in der Ukraine seinen Posten. Er legt zugleich aber auch sein Amt als Musikdirektor des Nationalorchesters am Opernhaus Capitole in der französischen Stadt Toulouse nieder, heißt es in einer am Sonntag veröffentlichten Erklärung des Dirigenten.

Da er zu der "untragbaren Wahl" zwischen seinen geliebten russischen und französischen Musikern genötigt worden sei, habe er sich entschieden, beide Leitungen aufzugeben. "In Europa zwingt man mich heute, eine Wahl zu treffen und ein Mitglied meiner musikalischen Familie dem anderen vorzuziehen", schrieb der 44 Jahre alte, im südrussischen Wladikawkas geborene Sokhiev. Er werde gezwungen, zwischen zwei Kulturtraditionen zu wählen.

Viele Menschen hätten seine Positionierung "zu dem, was derzeit passiert", erwartet, sagte Sokhiev. Die "aktuellen Ereignisse" riefen in ihm "schwierige Gefühle hervor". Er benannte den Krieg in seiner Erklärung nicht konkret. Er habe aber niemals bewaffnete Konflikte unterstützt und in den 20 Jahren seiner musikalischen Karriere immer mit den Opfern aller Konflikte gefühlt, betonte Sokhiev, der acht Jahre lang Chefdirigent am Bolschoi Theater war.

Pianist Matsuev ausgeladen

Unterdessen hat sich das Management des Pianisten Denis Matsuev (Denis Masujew) zu Wort gemeldet. Der russische Klaviervirtuose hatte bereits Ende Februar ein Engagement verloren, als er gemeinsam mit seinem Landsmann, dem deklarierten Putin-Befürworter Valery Gergiev, und den Wiener Philharmonikern in der New Yorker Carnegie Hall hätte gastieren sollen. Sowohl Gergiev als auch Matsuev mussten angesichts des Ukraine-Kriegs auf ihre Auftritte verzichten. Während der Weltstar Gergiev mittlerweile praktisch alle Engagements im Westen eingebüßt hat, wurde Matsuev in weiterer Folge vom Lucerne Festival ausgeladen. Der Intendant der Veranstaltungsreihe, Michael Haefliger, hatte erklärt, Matsuev habe sich angesichts des Ukraine-Krieges nicht von der russischen Regierung distanziert. "Vor dem Hintergrund seiner politischen Haltung in der Vergangenheit wäre dies zwingend gewesen." Das Festival hatte nach eigenen Angaben dem Musiker mehrere Tage Bedenkzeit gegeben.

Am Wochenende hat sich das Management von Matsuev geäußert. "Er ist gegen Gewalt, gegen Grausamkeit und gegen Krieg", heißt es. Der Pianist habe keine schriftliche Stellungnahme abgegeben, sei aber über die Ereignisse in der Ukraine schockiert, sagte sein Manager am Samstag. (apa, irr)