Entgegen seinem Namen muss sich das Kammerorchester Wien-Berlin nicht in ein stilles "Kämmerlein" für ein elitäres Publikum zurückziehen: Das Ensemble, besetzt mit 17 Musikern der Wiener und Berliner Philharmoniker, spielte am Mittwoch im Wiener Konzerthaus in einem gut besuchten Großen Saal, auch vor zahlreichen Hörern im Schulalter. Mit hoher Wahrscheinlichkeit ist es Mozarts "Kleine Nachtmusik" die diese am ehesten kennen.

In Feierlaune wird damit das Konzert begonnen. Unterstrichen wird die Stimmung von der Leichtigkeit des straffen Allegro und dem freundlichen Kommunizieren untereinander. Jeder lässt etwas Solistisches mit seinem Instrument einfließen und sorgt so für eine wohlklingende Begegnung der beiden Landeshauptstädte. Gekrönt wird dies vom Franzosen Gautier Capuçon am Solocello. Mit ihm in der Orchestermitte geht es feurig weiter: Zunächst Haydns Konzert für Cello und Orchester in C-Dur Hob. VIIb/1, gefolgt von dem zweiten in D-Dur geschriebenen. Capuçons phänomenale Bogenführung und Fingerdruck lassen kein Vibrato zu; seine Interpretation klingt nahbar für die heutige Zeit. Kompositorisch virtuos gesetzte Klangfarben kommen zum Vorschein, die zwischen samtig weichen Tiefen und brillierenden Höhen variieren.

Den größten Effekt jedoch bewirkt das Publikum in der sanften Zugabe "Song of the birds" des Katalanen Pablo Casals. Die Stille, die es während der Generalpausen bewahrt, ist von betörender Kraft. Die Vögel entlässt Capuçon als musikalischen Friedensgruß. Darauf Jubel.