Der Komponist, Musikwissenschafter und Alte-Musik-Experte René Clemencic ist am 8. März im Alter von 94 Jahren gestorben. Der österreichische Cembalist und Flötist war eine der prägenden Gestalten der Alte-Musik-Bewegung und erregte darüber hinaus mit bedeutenden Kompositionen Aufsehen.

Geboren wurde Clemencic am 27. Februar 1928 in Wien. Seine Vorfahren stammten aus etlichen Regionen der ehemaligen K.u.k.-Monarchie. Er selbst sprach mit seinem Vater, einem Notar, Italienisch, mit seiner Mutter Deutsch.

Nach der Matura studierte er am Schottengymnasium Philosophie und Musikwissenschaft an der Universität Wien und an der Sorbonne in Paris. 1956 wurde er mit der Dissertation "Sein und Bewusstsein"an der Universität Wien promoviert. Zusätzlich hatte Clemencic in Wien, den Niederlanden und Berlin Blockflöte, Cembalo, Musiktheorie, Komposition und in diesem Rahmen auch Zwölftontechnik studiert.
Bereits im Jahr 1957 gründete er das Clemencic Consort, das in variablen Besetzungen Alte Musik auf Originalinstrumenten aufführte. Er leitete es bis 1968. Von 1996 bis 2005 betreute er den Musica Antiqua-Zyklus des Wiener Musikvereins, wo er von 2005 bis 2019 einen Clemencic-Consort-Zyklus hatte.

Vor allem waren es diverse Flötentypen, der er, auch durch Einspielungen auf Tonträger, ins Bewusstsein zurückbrachte. Seine Beschäftigung mit mittelalterlicher Musik führte zu bemerkenswerten Rekonstruktionen, etwa der eines Eselsspiels. Er führte die Musik der Troubadoure ebenso auf wie Stücke aus Liederbüchern und Opern von Antonio Vivaldi.

Zu Clemencics zentralen Interessen gehörten die mittelalterlichen Carmina burana. Dabei umging er einerseits Carl Orffs Vertonung, kam ihr andererseits aber im Gestus wieder nahe.

Auch Clemencics eigene Kompositionen, zu denen die Musik zu Ariane Mnouchkines "Molière"-Film gehört,  sind geprägt von einer starken Zeichenhaftigkeit. Die Musik erweckt bisweilen den Eindruck von Beschwörung und Ritual. Zu seinen wichtigsten Werken zählen das Oratorium "Kabbala", "Apokalypsis" und die Opern "Der Berg" und "Gilgamesch", mit denen er sich, ebenso wie durch sein Wirken als Interpret, auf Dauer in die Musikgeschichte Österreichs einschrieb.