Umjubelt wie eine Ikone, 25 Grammys schwer und 90 Jahre jung dirigiert der US-Filmkomponist John Williams am Samstag im restlos ausverkauften Goldenen Saal des Musikvereins. Aus dem Fundus seiner Ohrwürmer sind Filmmelodien zu "Superman", "Harry Potter", "Indiana Jones" und "Tim und Struppi" zu hören. Nach gut zweistündigem Konzert ist freilich kein Nachhausekommen ohne den "Imperial March" aus "Star Wars".

Das Publikum ist dermaßen aus dem Häuschen, dass es wie in einer Messfeier bereits nach dem ersten Stück mit einem rituellen Wechselspiel zwischen Aufstehen und Niedersetzen beginnt, die Wiener Philharmoniker scheinen sich in einer ähnlichen Gemütslage zu befinden. Sie trumpfen primär mit Lautstärke auf und weniger mit rhythmischer Präzision oder interpretatorischer Feinheit. Nur die Soloquerflöte (Karl-Heinz Schütz) punktet, die in den Kompositionen gleichermaßen bedeutsam ist wie das Schlagwerk. Williams dirigiert präzise und mit stoischer Ruhe, kann die Freude an diesem Fest, ein Monat nach seinem 90. Geburtstag am 9. Februar, aber auch nicht verhehlen.

Hinzu tritt einer seiner bekanntesten Fans, die Geigerin Anne-Sophie Mutter, und verleiht dem Konzert einiges von ihrer Note: Williams hat sein Zweites Violinkonzert auf ihre Bitte nur für sie geschrieben. Voller Konzentration verdeutlicht Mutter in den vier Teilen, wie stark sie ihr Instrument unter Kontrolle hat; bei dem kraftvollen Spiel lassen einen nur die Einsätze der Harfe (Anneleen Lenaerts) verschnaufen. Am Ende Applaus für John Williams. Und noch ein Beifall. Und noch einer.