Was tun nach einem Tag voller Corona-Schlagzeilen und Kriegsnachrichten? Man nimmt im Konzerthaus beim Klangforum Wien Platz - und wird unverhofft mit dem Thema Waldrodung konfrontiert. Immerhin: Eine gute Nachricht ist jedenfalls, dass dieser Abend überhaupt stattfinden konnte, während etliche Events rundum ins Corona-Wasser fallen. Beifall in Richtung Klangforum (hier vereint mit Dirigent Bas Wiegers und Mitgliedern des finnischen NYKY Ensembles) also erst einmal fürs Da-Sein!

Die Uraufführung von Ville Raasakka greift das erwähnte Öko-Thema auf: Um den mangelnden Waldschutz in Finnland anzuprangern, lässt "The Harvest" ein Kettensägenmassaker röhren. 20 Minuten lang das imitierte Piepen von Kontrollgeräten, Ächzen der Werkzeuge, Rumoren der Motoren. Dagegen nimmt sich die Musik von Vincent Pongrácz nachgerade wohlig aus: Der Libero zwischen Hip-Hop, Jazz und Neuer Musik beschert mit "Hy Cotyl" einen Tummelplatz schillernd klangmalerischer Ideen; der episodische Aufbau erweist sich aber nicht immer als Stärke. Den kräftigsten Eindruck hinterlässt "Bird of Paradise" aus der Feder des Künstlerduos Nimikry (Alessandro Baticci, Rafał Zalech). Das hat die Musiker vorab mit Controllern für Elektronik-Effekte verkabelt und erzeugt mittels Surround-Sound im Saal den Eindruck einer Schneekugel der irren Klanggestöber. Da brazelt, fiepst und wabert es, als würde R2-D2 auf Klangflächen von
György Ligeti treffen. Ein Hör-Wimmelbild, das packt - spätestens, wenn sich geräuschhafte Linien und Notenketten zu einem rhythmischen Sturm vereinen.