Der Krieg in der Ukraine und die Sanktionen gegen Russland könnten auch Auswirkungen auf die Salzburger Festspiele im Sommer 2022 haben. Konkret geht es um die finanzielle Unterstützung einer russischen Stiftung für das Opernprojekt mit Teodor Currentzis - "Herzog Blaubarts Burg"/"De temporum fine comoedia" - sowie dessen MusicAeterna, das auch von einer sanktionierten Bank finanziert wird. Viel Zeit für eine Entscheidung bleibt laut Intendant Markus Hinterhäuser nicht mehr.

In einem Interview mit den "Salzburger Nachrichten" (Montag-Ausgabe) ließ Hinterhäuser die Frage offen, ob das Projekt mit MusicAeterna, es wird unter anderem von der sanktionierten VTB-Bank finanziert, heuer in Salzburg stattfinden kann. "Das ist eine der komplexeren Fragen, denen wir uns im Moment zu stellen haben", so der Intendant. Man werde sich "sehr aufrichtig damit beschäftigen". Man müsse auch sehen, wie sich Teodor Currentzis selber in dieser Sache verhalten wird. "Ich habe aus meiner Begeisterung für seine Kunst nie ein Geheimnis gemacht und an der künstlerischen Bewertung wird sich nichts ändern." Für eine Entscheidung bleibe aber nicht mehr viel Zeit, räumte Hinterhäuser ein.

Sponsoring mit Gazprom

Offen ist derzeit auch die finanzielle Unterstützung einer russischen Stiftung für "Herzog Blaubarts Burg"/ "De temporum fine comoedia" von Currentzis und Romeo Castelucci (Regie). Diese Stiftung betreibt in Moskau das Kulturzentrum GES-2, das laut Hinterhäuser weder bei Putin noch bei der Bevölkerung auf große Gegenliebe gestoßen sei. Dessen Leiterin, eine Italienerin, sei inzwischen abgesetzt worden. "Sie war es auch, die uns für Produktionen von Romeo Castellucci eine finanzielle Unterstützung angeboten hat." Dies sei bei der "Salome" so gewesen und diese Unterstützung gelte auch für die Bartok/Orff-Produktion des heurigen Sommers. "Ob es tatsächlich dazu kommen wird? Ich weiß es nicht", so der Intendant.

Zum für 2020 geplanten Sponsoring von Gazprom für "Boris Godunow" bei den Salzburger Festspielen sagte Hinterhäuser, dass diese Produktion coronabedingt nicht zustande gekommen sei. Der Sponsoringvertrag sei von den Festspielen aufgekündigt worden. "Dass diese Annäherung an Gazprom im Jahr 2019 stattgefunden hat, kann man im Licht der jetzigen Ereignisse durchaus als Fehler sehen."(apa)