Es gibt zwei Musikinstrumente, die immer zu verlieren scheinen. Das eine ist die Glückspirale alias Horn und das andere das "Eintoninstrument" Bratsche. Erstaunlicherweise war das am Sonntagabend im Goldenen Saal des Wiener Musikvereins nicht der Fall. Die Münchner Philharmoniker präsentieren Anton Bruckners zweite Fassung der 8. Symphonie - ein Werk also, das den Bratschen mehrere prominente Einsätze zuordnet, und die Hörner überzeugen während dieser nahezu makellosen Aufführung vom ersten Ton an mit natürlicher Schönheit.

Akkurat bis streng zeigt sich Manfred Honeck, der im Musikverein für den bis vor kurzem noch amtierenden Chefdirigenten Valery Gergiev einspringt. Vehement beharrt er auf Piano-Stellen, Fermaten und ausgiebigen Generalpausen. Obwohl sich dadurch alles in die Länge zieht, resultiert daraus eine weiträumige Dynamik. Im eröffnenden Allegro moderato knickst der österreichische Dirigent rhythmisch vor dem Notenpult, während sich die Exposition erhebt und der Klang der Geigen, Tuben und Oboe zu glitzern beginnt, bevor die Pauke leise wie eine Totenuhr schlägt.

Energiebremse

Honeck muss die drängende Energie regelrecht zurückhalten. Noch im Scherzo scheint er jedes Detail mit seiner linken Hand auf einem imaginären Klavier begleiten zu wollen, lässt im dritten Satz der Schönheit der Themen aber ihren Lauf. Im Finale verzückt das Headbanging à la Apocalyptica der Cellisten. Ungewohnt rigide, aber geistig kraftvoll.