Wo er auftaucht, wird es gnadenlos - selbst wenn das musikalische Projekt des Donnerstagabends nicht auf seine Kappe geht. Autorenfilmer Michael Haneke feierte diese Woche seinen 80. Geburtstag, anlässlich dessen ergründet der Wiener Musikverein in Kooperation mit dem österreichischen Filmmuseum in der noch bis Sonntag andauernden Reihe "Perspektiven" die Musikalität in Hanekes Werk.

Im eröffnenden Gespräch zwischen Intendant Stephan Pauly, Museumsdirektor Michael Loebenstein und Haneke wird klar: Der Filmemacher schätzt Musik zu sehr, als sie für Stimmungsmache zu missbrauchen. Daher dominieren in seinen Werken Alltagsgeräusche. Allenfalls wenn das Radio läuft, zitiert Haneke Musik, und dann als "Kontrapunkt zur Szene".

Was für Haneke die Szenen, sind für Pianist Marino Formenti Fragmente. Seine Hommage an den Filmemacher, die gleich zwei Haneke-Arbeiten im Titel führt - "7 Kontinente 71 Fragmente" -, verbindet unvollendete Klavierwerke zu einem Dialog mit Stücken des Zeitgenossen Beat Furrer. Darunter auch Hanekes Lieblingskomponisten: Johann Sebastian Bach, Wolfgang Amadeus Mozart und Franz Schubert.

Wie ein Mosaik stehen die Noten am Pult des Flügels im Gläsernen Saal. Aus den Querseiten spricht Furrer, aus den hochkantig stehenden die Klassik: Ein kontrapunktisches Wechselspiel zwischen Furrer und einem kindlichen Mozart, ruhenden Bach und träumenden Schumann nimmt seinen Lauf. Wie in Hanekes Filmen schwellen die Alltagsgeräusche im Saal für das Ohr in Momenten der Stille markant an: hier ein Magengrummeln, da ein Schlucken. Bisweilen ist es auch das Schließen einer Tür: Wenn Formenti seine Unterarme zum Spiel auf die Tastatur wirft, ergreifen manche sturzartig die Flucht. Ein musikalischer Tribut, so intellektuell und eindringlich wie Hanekes Filme. Chapeau.