Fesselnd die Werkauswahl des sechsten Abonnementkonzerts der Wiener Philharmoniker am Samstag im Goldenen Saal: Die drei Orchesterstücke op. 6 von Alban Berg und "La valse" von Maurice Ravel stehen unter dem Eindruck des Ersten Weltkriegs. Der "Totentanz" wiederum, eine Komposition von Thomas Adès, ist 2013 in der Londoner Royal Albert Hall uraufgeführt worden. Alles in allem ist im Musikverein ein Nachmittag der vielschichtigen Klangdimensionen unter Adès’ Leitung zu erwarten.

Aus Bergs Stücken ließe sich indes mehr an Lyrik und Zauber herausholen, als es den Philharmonikern mit verbissenem Blick in die Noten gelingt. Bei Ravel ertönen formidable Walzerrhythmen, die die Schatten der Nachkriegszeit in dieser Musik überstrahlen: Düsternis verliert gegen ein freudiges Orchesterspiel, dessen Schönklang Adès zu genießen scheint.

Exzellente Aussprache

Erst nach der Pause keimt das Böse auf: Die schwarze Kleidung von Mezzo Christianne Stotijn (Menschen) und Bariton Mark Stone (Tod) markiert die Stimmung. Letzterer besticht mit einer exzellenten Aussprache des deutschen Gesangstexts. Im Schlagwerk klopfen Klanghölzer wie Knochen aufeinander, der Schwanz des Teufels scheint zu rasseln. Auf halber Strecke zum Höllenschlund rumort ein Tumult der schwirrenden Streicher und des brummelnden Blechs; beim Kind als letztem Todeskandidaten läuft es einem eiskalt den Rücken hinunter. Dennoch Applaus und Jubel für Adès.